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Der Ticker kommt heute von @jakif.org / @jakif@d-64.social


Von Brillen und Brecheisen

Lesen will gelernt sein: Ein US-amerikanischer Hochschullehrer beschreibt, wie Studierende zunehmend außerstande sind, längere akademische Texte zu lesen und zu verstehen – belegt durch Daten, die die niedrigsten Werte seit 1992 zeigen. Als Ursachen nennt er Smartphones, den frühen Einsatz von KI-Tools sowie eine auf Kurztexte ausgerichtete Schul- und Testkultur, die tiefes Lesen systematisch verkümmern lässt. Er fordert strukturelle Reformen und warnt vor Konsequenzen für die Demokratie bei einer funktional illiteraten Bevölkerung. chronicle.com

Widerstand gegen Kameras – mit Kaugummis, Laserpointern und Brecheisen: Menschen wehren sich weltweit auch physisch gegen den Ausbau von Videoüberwachung. Ein Betroffener schildert, wie er nach fünf solcher Aktionen vor Gericht landete und das Verfahren schließlich gegen eine Zahlung von 900 € an einen Kinderverein eingestellt wurde. Rechtlich bewegt sich der Widerstand in einem weiten Strafrahmen – von Freispruch bis zu fünf Jahren Haft, je nach Methode und Ausmaß der Beschädigung. netzpolitik.org

Übrigens: Wer selbst ein Zeichen gegen die Aufrüstung des Überwachungsapparats setzen will, sollte am Samstag in Berlin an der Demo „Sicherheit ohne Überwachung“ teilnehmen. Informationen gibt es dazu hier oder auf dem Mastodon-Profil des Netzwerks.

Europa könnte schaffen, was Deutschland nicht mal versucht: All die Kameras und anderen Bestrebungen, den Überwachungsstaat aufzubauen, sind Ausdruck eines rechten Menschenbilds. Das wird nicht nur von der AFD getrieben, sondern könnte auch noch deutlich drastischer eingesetzt werden, sollte diese tatsächlich in Regierungspositionen kommen. Ein Verbot könnte nicht nur rechte Politik deutlich abschwächen, sondern durch die wegfallende Parteienfinanzierung auch das Vorfeld schwächen. Das könnte jetzt immerhin auf europäischer Ebene passieren: Dem von der AFD maßgeblich mitgegründeten europäischen Parteienzusammenschluss ESN könnte der Status als europäische Partei entzogen werden. Die Sitze im Parlament blieben davon zwar leider unbeeinflusst, es würden allerdings allein für dieses Jahr angesetzte 2 Millionen Euro Parteienfinanzierung wegfallen. correctiv

Meta löscht Gesichtserkennung aus Smart-Glasses-App nach WIRED-Bericht: Einen Tag nachdem WIRED aufdeckte, dass Meta ein unveröffentlichtes Gesichtserkennungssystem namens „NameTag“ still und leise in die Begleit-App seiner smarten Brille integriert hatte, entfernte das Unternehmen den entsprechenden Code aus der neuesten App-Version. Das System war darauf ausgelegt, Gesichter in biometrische Profile umzuwandeln und mit einer lokalen Datenbank abzugleichen – unerkannte Gesichter wurden dabei automatisch gespeichert. Meta hatte die Existenz des Features zuvor öffentlich bestritten und bezeichnete die Berichterstattung als „irreführend“. wired.com

Falsch-positiv auf Kindesmissbrauch: Das Bundeskriminalamt forderte ein Hosting-Unternehmen auf, angebliche Kinderpornografie zu löschen – tatsächlich handelte es sich um zwei gänzlich legale YouTube-Videos, darunter eine Dokumentation über Komponist Hans Zimmer. Das BKA räumte ein, Links von kriminellen Plattformen automatisiert und ungeprüft weiterzugeben; erst nach einer Medienanfrage von netzpolitik.org korrigierte die Behörde ihren Fehler. Der Fall offenbart ein systemisches Problem: Falschmeldungen haben keinerlei Konsequenzen und benachteiligen kleine Anbieter gegenüber großen Plattformen mit KI-gestützten Prüfteams. netzpolitik.org

Home, scary home: Der gefährlichste Ort für eine Frau ist immer noch das eigene Zuhause. Das bestätigt auch die Zahl der Anrufe bei dem Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“. Im Jahr 2025 ist die Zahl weiter gestiegen, so haben durchschnittlich 190 Beratungen pro Tag stattgefunden – der häufigste Grund war häusliche Gewalt. Die Beratung findet anonym, kostenfrei und barrierefrei statt und kann entweder online (www.hilfetelefon.de) oder telefonisch unter der Nummer 116 016 erfolgen. taz

Diese Ausgabe des Tickers haben Kim und Jakob gemeinsam geschrieben.


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Termine

  • 10.06.2026, Erlauben, Befähigen oder Verbieten? - Social-Media-Verbote zwischen Schutz und Selbstbestimmung, Berlin, 50% Frauen
  • 11.-11.06.2026, Präsenzworkshop in Köln I KI verantwortungsvoll einsetzen: Diversität, Sprache und Fairness im Mentoring, Köln, 50% Frauen
  • 11.-11.06.2026, NETTZ Community Event - Come together right now - Zusammenhalt in schwierigen Zeiten, Berlin, Quote nicht ermittelbar
  • 11.06.2026, CorrelCompact | Der EU AI Act: Einführung und Einordnung, Online, 100% Frauen
  • 11.-11.06.2026, Civic Data Camp, „Jederkann Galerie“, Leipziger Pl. 9, 99085 Erfurt, Quote nicht ermittelbar
  • 17.-17.06.2026, Footprints in Mainz: Digitale Teilhabe inklusiv MöglichMachen, Mainz, 100% Frauen
  • 18.06.2026, Demo Day “KI-gestützte Low-Code-Entwicklung für Verwaltungen”, Berlin, Quote nicht ermittelbar
  • 24.-26.06.2026, DigHum2026 Digital Humanism Conference, Museumsquartier Wien, 52% Frauen
  • 25.06.2026, Open Data Einführungsworkshop, Online, 100% Frauen
  • 06.07.2026, CorrelCompact | Von und mit Daten überzeugen: Datenstrategie in eurer Organisation umsetzen, Online, 100% Frauen
  • 07.-08.07.2026, 20. Internationales For..Net Symposium: Projekt 20/42 – den digitalen Wandel zu Ende denken, München, 48% Frauen
  • 09.-09.07.2026, Fachgespräch „Digitale Identitäten“, Berlin, 50% Frauen

Hinweis: Wir haben die Quoten von Vortragenden der Veranstaltungen manuell gezählt. Basis dafür sind die von den Veranstaltenden veröffentlichten Programme oder Speakenden-Listen. Wir zählen pro Veranstaltung jeden Kopf genau einmal, also auch dann nur einmal, wenn dieselbe Person mehrfach spricht. Details dazu findet Ihr in unserer Event-Liste.


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