Digitaler Euro: Feldversuch im eigenen Feld Ab 2027 lässt die EZB den Digitalen Euro erstmals unter „realen Bedingungen“ los – die Realität besteht allerdings aus den eigenen Beschäftigten: Nur Mitarbeiter:innen der EZB und der nationalen Zentralbanken dürfen damit in der Kantine, am Automaten und im E‑Commerce zahlen. Ausgerechnet das Offline-Bezahlen an der Kasse – der ganze Resilienz-Case gegen Stromausfälle und Cyberangriffe – wird nicht getestet. Und die Pointe liefert die EZB selbst: Ob das Pilotergebnis überhaupt in die finale Entscheidung des EZB-Rats einfließt, will sie nicht klar sagen. Leonhard Pitz für netzpolitik.org.
Deutschland (nicht) digital: die Verwaltung buffert noch Im Bitkom-Digitalranking rutscht Deutschland auf Platz 17 von 27 EU-Staaten – drei Plätze runter, obwohl der DESI-Wert sich sogar leicht verbesserte. Andere waren eben schneller. Die Infrastruktur ist gut, ihre Nutzung mau, die Verwaltung „desaströs“; bei vorausgefüllten Formularen belegt man den vorletzten Rang. Bitkom-Präsident Wintergerst findet, Platz 17 „kann nicht der Anspruch sein“ – dämpft aber im selben Atemzug mit dem föderalen Flächenstaat, den man ja nicht mit Estland vergleichen könne. Der Klassiker: Ambition und Ausrede in einem Satz. heise.
Good news for Europe's Scale-ups: Die EU-Kommission hat die letzten rechtlichen Hürden genommen – der Fonds „Scaleup Europe“ steht mit Zielvolumen fünf Milliarden Euro bereit, langfristig sollen es deutlich mehr werden. Er soll wachstumsstarke Tech-Firmen aus KI, Quanten, Biotech und Clean Tech davon abhalten, für die große Finanzierungsrunde in die USA abzuwandern. Verwaltet wird das Ganze vom European Innovation Council, gemanagt vom schwedischen Investor EQT, mit Geldgebern von Allianz bis Wallenberg. Digitale Souveränität per Wagniskapital – ob Geld allein reicht, um die Abwanderung zu stoppen, wird sich zeigen. heise.
Kalte Wallet, heißer Verlust: Als besonders sicher gelten Hardware-Wallets, weil sie offline bleiben – bis die Zufallszahl nicht zufällig ist. Ein Firmware-Bug in Coldcard-Geräten des Herstellers Coinkite, eingeschleppt schon 2021, ließ den Seed – die Wörterkette als Generalschlüssel zur Wallet – aus vorhersagbaren Werten wie der Seriennummer entstehen. Angreifer:innen mussten die Schlüssel nur nachrechnen: rund 1.367 Bitcoin (etwa 75 Millionen Euro) aus über 4.500 Wallets, in mehreren Wellen abgeräumt. „Cold Storage“ schützt eben nur so gut wie sein Zufallsgenerator. t3n.
Serious Organised Leak: Die Gruppe ExfilSquad hat die Police National Legal Database geknackt – die juristische Nachschlagedatenbank der Polizei in England und Wales – und Namen, Kontaktdaten und Dienststandorte von über 100.000 Polizist:innen und Justizmitarbeitenden ins Dark Web gekippt. Betroffene sprechen von „serious risk“; der Leak reiht sich in eine ganze Angriffsserie auf britische Behörden ein, inklusive eines vorangegangenen Bildungsministerium-Lecks mit über 600.000 Datensätzen. Erpressungslogik der Gang: einmal veröffentlicht, für immer im Netz – „just pay“. Wieder einmal ist die verwundbarste Stelle staatlicher IT genau die, die am meisten zu verlieren hat. golem.
40 Minuten Konsequenz: Apple nahm Telegram nachts für rund eine Dreiviertelstunde aus dem App Store – gefunden hatte man Darstellungen sexualisierter Gewalt gegen Kinder. Nachdem Telegram die Inhalte gelöscht und das Konto gesperrt hatte, war die App wieder da. Der Messenger nahm es mit gewohnter Demut: „Berichte über meinen Untergang sind stark übertrieben 🍎“, plus die Spitze, ob Apple diese Härte künftig auch bei allen anderen Apps walten lasse. Bleibt die alte Doppelfrage: Ein Gatekeeper, der per Knopfdruck über Reichweite entscheidet – und eine Plattform, deren Moderation solche Funde überhaupt erst nötig macht. spiegel.
Frag nicht Google, frag die Blackbox: Laut einer Yext-Erhebung nutzen schon vier von zehn Deutschen KI wie ChatGPT oder Gemini für die Suche nach dem Restaurant, der Praxis, dem Laden um die Ecke – und 79 Prozent vertrauen den Antworten zumindest teilweise. Dumm nur: Woher die Chatbots ihre Empfehlungen ziehen, bleibt intransparent, und Unternehmen können ihre Darstellung kaum noch kontrollieren. Aus zehn blauen Links wird eine einzige Antwort ohne Beleg – die nächste Stufe der Enshittification, diesmal mit Halluzinationsrisiko. (Dass ausgerechnet ein Sichtbarkeits-Dienstleister die Zahlen liefert, sei am Rande erwähnt.) t3n.
Internet als Kriegswaffe – und als Lebensader: Anderthalb Jahre nach Assads Sturz ist nur ein Drittel Syriens online, die Verbindung laut Speedtest die zweitschlechteste weltweit und nach dem Umbruch bis zu 300 Prozent teurer – bei 90 Prozent der Menschen unter der Armutsgrenze. 90 Prozent des Kabelnetzes hängen an der Türkei; in Sweida wurde das Netz während der Gewalt im Juli 2025 eine Woche lang abgeschaltet, was laut Fachleuten die Opferzahlen erhöhte. Gleichzeitig zünden Fake News und Hetzkampagnen an konfessionellen Bruchlinien, während ein Cybercrime-Gesetz aus der Assad-Ära weiter kritische Stimmen mundtot macht. Ein Lehrstück, wie eng Netzzugang, Grundrechte und ziviler Frieden zusammenhängen. Hannah El-Hitami für netzpolitik.org.
Bildung statt Handyverbot: Mecklenburg-Vorpommern will Kinder in sozialen Netzwerken schützen – aber ohne Pauschalverbot. Statt „einfach mal das Handy wegnehmen“ (Schwesig) setzt die Landesregierung nach Rat einer Expertenkommission auf mehr Medienkompetenz und will die Anbieter zu altersgerechten Angeboten bewegen. Über 90 Prozent der Jugendlichen sind ohnehin regelmäßig auf Social Media. Der Ansatz ist sympathischer als die anderswo grassierende Verbotslust – bleibt die Frage, wie man Plattformen ohne echte Regulierung freiwillig „bewegt“. Und ja: Am 20. September wird in MV gewählt. heise. |