Nutzen ja, glauben nein: Das KI-Paradoxon wird statistisch dingfest gemacht: Laut Pew Research nutzen inzwischen 49 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner:innen regelmäßig KI-Tools – 2024 waren es noch 33. Gleichzeitig trauen 67 Prozent der eigenen Regierung keine sichere Regulierung zu, und 61 Prozent glauben den Entwickler:innen kein verantwortungsvolles Handeln. Man tippt also fleißig Prompts in eine Technologie, der man gleichzeitig kein Wort glaubt. Beziehungsstatus: kompliziert. t3n
Wer hat's geschrieben? Ein Algorithmus will's wissen: Redaktionen jagen Politiker:innenreden durch den KI-Detektor Pangram – Die Zeit warf zuletzt Digitalminister Karsten Wildberger KI-Nutzung bei Reden und Gastbeiträgen vor, der Focus zählte rund neun Prozent vollständig KI-geschriebener Bundestagsreden für 2026. Pangram (2024 von zwei Stanford-Absolventen gegründet) wirbt mit über 99 Prozent Genauigkeit, geprüft u. a. von der University of Chicago. Bleibt der altbekannte Haken: Forscher:innen warnen vor einem „technischen Wettrüsten“, und ein Detektor sollte nie die alleinige Grundlage sein – False Positives treffen am Ende echte Menschen. zeit (€), Einordnung auch bei t3n
Willkommen bei TikTok, hier ist Ihr Slop: Wer ein frisches TikTok-Konto anlegt, bekommt laut einer Kapwing-Studie (10.742 analysierte Videos) in 59 Prozent der ersten Empfehlungen KI-Müll serviert – dreimal so viel wie bei YouTube Shorts. Am übelsten trifft es Kinder: 57 Prozent der „Kids“-Inhalte sind Slop, im Hashtag #CartoonKids waren 97 von 100 Videos maschinengemacht. Zählstunden mit falschen Zahlen, Gesundheitstipps frei erfunden. Eine Kinderärztin der University of Chicago nennt es „Kleinkind-Desinformation im industriellen Maßstab“. TikToks Gegenmaßnahme bisher: ein Schieberegler. TheNextWeb (in Englischer Sprache)
10 Jahre Funk – Zeit, die Komfortzone zu verlassen: Das ARD/ZDF-Jugendangebot wird zehn und erreicht rund 80 Prozent der 14- bis 29-Jährigen – Experiment geglückt. Leonhard Dobusch findet trotzdem: Reichweite auf Big-Tech-Plattformen reicht nicht mehr. Wo bleiben tagesaktuelle Nachrichtenformate (der Funk-Podcast wurde Ende 2025 eingestellt), echte Live-Formate und vor allem ein Beitrag zu offener, dezentraler Infrastruktur jenseits der Kommerzplattformen? Immerhin: Seit dieser Woche hat Funk eine eigene Mastodon-Instanz – und witzelt selbst, dass 3sat früher dran war. netzpolitik.org
Vom Erkenntnis- in den Aktionsmodus – irgendwann mal: Auf der „Hinterland of Things“ in Bielefeld attestiert Founders-Foundation-Chef Dominik Gross dem Staat, „meilenweit davon entfernt“ zu sein, Start-ups ausreichend zu fördern – trotz vollmundigem Koalitionsvertrag. Symbol des Stillstands: Die versprochene 24-Stunden-Unternehmensgründung startet bundesweit erst 2029. Statt auf den Bund zu warten, propagiert Gross den „Bielefelder Shortcut“. Die Erkenntnisse seien längst alle da – es hakt, wie so oft, am Tun. heise
Störung kommt jetzt von oben: Was Europa seit Jahren als sekundenkurze GPS-Aussetzer nervt, hat womöglich eine Adresse im Orbit: US-Forscher Todd Humphreys (UT Austin) macht russische Satelliten als Störquelle aus – vermutlich die KOSMOS-25XX des Frühwarnsystems EKS. Seit Oktober 2019 sollen so mindestens 75 Vorfälle über Europa, Grönland und Kanada verursacht worden sein, meist werktags zu Geschäftszeiten. Beunruhigend ist weniger das Können als die Tatsache, dass es jahrelang unbemerkt blieb. Die EU will jetzt an einem Erkennungssystem arbeiten. golem (€)
Gekauft, vergessen, geleakt: Bei Amazons Gesundheitsdienst One Medical flossen archivierte Patient:innendaten aus neun US-Standorten ab – die Erpressergruppe ShinyHunters behauptet, auf 8,8 Terabyte zu sitzen, und setzt eine Frist bis zum 22. Juni. Betroffen sind demografische und klinische Daten, ausgerechnet aus den Altbeständen der zugekauften Iora Health. Lehrstück fürs M&A-Zeitalter: Wer eine Firma schluckt, übernimmt auch ihre Sicherheitsschulden – und Gesundheitsdaten verfallen nicht, eine Diagnose von 2019 ist 2026 noch bare Münze für Betrüger:innen. 3,5 Milliarden Dollar Kaufpreis schützen davor nicht. heise |