Dein Router kennt dich – auch ohne Verbindung: Forscher:innen des KIT haben gezeigt, dass gewöhnliche WLAN-Router Menschen anhand unverschlüsselter Beamforming-Feedback-Daten mit 99,5 Prozent Genauigkeit identifizieren können – in Sekunden, ohne Kamera, ohne Smartphone, ohne dass Betroffene es je erfahren. Grundlage ist der hohe Wasseranteil des menschlichen Körpers, der die Funkwellen ganz individuell verformt. Auf der ACM CCS 2025 vorgestellt, zeigt die BFId-Methode: Der nächste Überwachungsapparat braucht nicht mal eine Kamera – nur einen Router, den eh schon jede:r hat. forschung-und-wissen.de
Kottbusser Tor unter KI-Dauerbeobachtung: Ab dem 23. August installiert Berlin rund 30 Kameras, die per Algorithmus automatisiert Bewegungsmuster analysieren – Videomaterial wird bis zu einen Monat gespeichert, Gesichter bleiben erkennbar und für die Polizei extrahierbar. Kritik kommt von allen Seiten: Bürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) sieht Millionen in Überwachung fließen, die für Sozialarbeit fehlen, Die Linke warnt vor einer „undurchdringlichen Überwachungsdichte" mit KI, die auf Bürger:innendaten trainiert wird, und Jurist Felix Ruppert verweist auf den zusätzlichen Grundrechtseingriff bei fehlender gesetzlicher Definition. Martin Schwarzbeck berichtet für netzpolitik.org.
Vorauseilender Gehorsam ist auch keine Lösung: In ihrer Breakpoint-Kolumne erinnert Carla Siepmann daran, dass Überwachung gar nicht erst zuschlagen muss, um zu wirken: Nach den Snowden-Leaks 2013 brach der Zugriff auf Wikipedia-Artikel zu Terrorismus-Themen um 20 Prozent ein – reine Selbstzensur aus Angst. Mit Bahnhofskameras, Gesichtserkennung und Verhaltensscannern (siehe oben) wächst dieser „Chilling Effect" gerade wieder. Ihr Fazit, mit Montesquieu im Rücken: Wer schweigt, weil er beobachtet werden könnte, hat dem Überwachungsstaat schon die halbe Arbeit abgenommen. netzpolitik.org
War auch ohne KI schon Slop: Seit Ende Juli können LinkedIn-Nutzer:innen KI-Müll im Feed per Klick als „Seems like AI slop" melden – und die Community macht mit: über eine Million Klicks in drei Wochen. Laut Pangram Labs gelten rund 41 Prozent der längeren Textbeiträge als KI-generiert, wer den Filter aktiviert, sieht rund 40 Prozent weniger davon. Ein seltener Fall, in dem Crowdsourcing tatsächlich mal funktioniert – auch wenn's am eigentlichen Problem nichts ändert: Das Netzwerk war auch vor ChatGPT schon eine Zumutung aus Buzzword-Bingo und Selbstbeweihräucherung. heise
Wer die KI-Blase pumpt, zahlt drauf: Nvidia kündigt Großkund:innen Preissprünge von über 15 Prozent für Server mit Vera-Rubin- und Grace-Blackwell-Chips an, ausgelöst durch explodierende Speicherpreise bei DRAM und HBM. Gleichzeitig baut sich der Konzern mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Goldman Sachs und KKR zum Finanzierungsarchitekten um: Über eine neue Plattform-Initiative sollen mehr als 500 Milliarden Dollar Fremdkapital für KI-Infrastruktur mobilisiert werden. Vom Chip-Verkäufer zum Kreditvermittler in Rekordzeit – Hauptsache, das Rad dreht sich weiter. heise
Vier Tage ohne Saft: Iran-Hacker legen britisches Kraftwerk lahm: Erstmals ist es Angreifern nachweislich gelungen, eine britische Stromerzeugungsanlage gezielt vom Netz zu nehmen – mutmaßlich mit Iran-Verbindung, über die Schnittstelle zwischen IT und operativer Steuerungstechnik. Vier Tage stand die Anlage still, das britische NCSC bestätigte den Vorfall nur intern. Die Regierung warnt Energieversorger nun vor ähnlichen „Konfigurationsmustern" – zeitlich fällt der Angriff mit Attacken auf die Wasserversorgung in zwölf US-Bundesstaaten zusammen. Kritische Infrastruktur bleibt eben kritisch verwundbar. heise
Berlin bootet neu – nach einer Woche Zwangspause: Nach dem Hackerangriff vom 14. August sind die zeitweise vom Landesnetz getrennten Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung sowie Mobilität/Verkehr/Umwelt wieder online. Betroffen waren unter anderem Wohngeldauszahlungen und Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Regierender Bürgermeister Kai Wegner verkündet Entwarnung, die Senatskanzlei kündigt „Sofortmaßnahmen" zur IT-Sicherheit an – die man sich, ehrlich gesagt, auch vorher hätte überlegen können. heise |