Einmal Mythos zum Mitnehmen, bitte: Anthropic nimmt die EU-Cybersicherheitsagentur Enisa in sein „Project Glasswing" auf – den exklusiven Testkreis für das Modell „Mythos", das öffentlich (noch) nicht verfügbar ist, weil es zu gut darin ist, Schwachstellen in Netzwerken und Software aufzuspüren, und so in den falschen Händen zum Risiko für kritische Systeme würde. Vorausgegangen waren wochenlange erfolglose Verhandlungen, dann reisten Kommissionsmitglieder nach San Francisco, um persönlich um Zugang zu bitten. Digitale Souveränität sieht ein bisschen anders aus als „einmal ins Valley pilgern und höflich anklopfen". Handelsblatt
Quelloffen wider Willen: Die Bande Lapsus$ hat bei Vodafone Software-Quelltexte abgegriffen und nach gescheiterter Erpressung jetzt offen ins Netz gestellt – 180 GByte als „VODA_FULL_DUMP", inklusive Infrastruktur-Doku, GitHub-Tree und interner Netzwerkkarten. Vodafone bestätigt den Abfluss „einer sehr begrenzten Anzahl" Quellcodedateien, will den Vorfall schon im März erkannt und eingedämmt haben; Kundendaten seien nicht betroffen. Dirk Knop berichtet für heise.
We get Kampfdrohnen before Glasfaser im Funkloch: USA, Großbritannien und Australien entwickeln im AUKUS-Bündnis gemeinsam unbemannte Unterwasserdrohnen zum Schutz von Unterseekabeln und Pipelines, Auslieferung ab dem kommenden Jahr; allein London steckt rund 150 Millionen Pfund rein. Hintergrund: rund 570 Seekabel tragen 95 bis 99 Prozent des interkontinentalen Datenverkehrs, und die Zahl der Angriffe auf Unterwasserinfrastruktur – Verdacht: Russland und China – steigt. Die Drohnen sollen aber nicht nur schützen, sondern auch aufklären und angreifen. Das Internet wird zur militärischen Zone, eine UUV nach der anderen. golem
Reden ist Silber, Schweigen kostet 50.000 Dollar: Meta-Whistleblowerin Sarah Wynn-Williams („Careless People") saß beim Hay Festival 2026 auf dem Panel „The Power of Tech" auf der Bühne – und schwieg eine Stunde lang, durfte nicht einmal nicken. Grund ist eine von Meta erwirkte Schiedsgerichtsverfügung mit 50.000 Dollar Strafe pro kritischer Äußerung; ihre Bücher hatte das Festival vorsorglich aus dem Shop genommen. Tim Wu und Carole Cadwalladr sprachen für sie, am Ende gab es Standing Ovations. Plattformmacht reicht inzwischen bis auf die Festivalbühne und legt einer Kritikerin live den Maulkorb an. golem
Make Mehrzweckeier Great Again: Eine organisierte Social-Media-Kampagne unter dem Label „MMGA" will das Kunstwort „Mehrzweckeier" zum Jugendwort des Jahres 2026 hieven – ein Platzhalter für einen seit März viralen Anti-Kanzler-Spruch, losgetreten von einem Demo-Plakat auf einer Anti-Wehrpflicht-Demo in Berlin. Die Langenscheidt-Abstimmung läuft bis November. Das eigentlich Bemerkenswerte ist weniger das Ei als die Mechanik dahinter: ein politischer Insider-Gag, der per koordinierter Mobilisierung in ein kommerzielles Voting gedrückt wird – kein Jugendlicher muss das Wort je gehört haben. stern
Nenn deinen Lautsprecher bloß nicht „Bomb": Ein 16-Jähriger taufte seinen Bluetooth-Lautsprecher „Bomb" – und der Name tauchte prompt auf den Geräten von Mitreisenden und Crew auf. United-Flug 236 von Newark nach Palma de Mallorca, 190 Passagiere, drehte nach rund einer Stunde über dem Atlantik um, zurück zum Start, alle noch mal durch die Sicherheitskontrolle; Mallorca wurde erst Stunden später erreicht. Lehrstück darüber, wie ein frei wählbarer Gerätename im richtigen Funkradius zum teuersten Scherz der Woche wird. t3n |