Kapitalismus, durchgespielt mit Colaautomaten: Was passiert, wenn drei KI-Agenten je einen Getränkeautomaten verwalten und dabei in direkte Konkurrenz zueinander gesetzt werden? Das KI-Forschungsunternehmen Andon Labs hat es ausprobiert. Ergebnis: kleinliche Streitereien, Beschwerden bei einem Management, das es gar nicht gibt, und kindische Betrügereien. Die Lehre für alle, die gerade „agentic AI" ins Produktdeck schreiben: Agenten lieber nicht zu lange unbeaufsichtigt vor sich hinwirtschaften lassen. derStandard
Bitte ausweisen: KI-Inhalte müssen jetzt Flagge zeigen: Seit Sonntag greifen die Transparenzpflichten des AI Act. Bilder, Videos und Texte mit professionellem Zweck müssen gekennzeichnet werden – Werbung, Plakate, Influencer:innen inklusive, private Profile bleiben frei. Auch neu: Chatbots müssen sich als solche zu erkennen geben. Liefern müssen die Kennzeichnung OpenAI, Google, Meta und Co. Bei Transparenzverstößen drohen bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, Bestandssysteme haben Schonfrist bis zum 2. Dezember. Nebenbei prüft das Brüsseler KI-Amt künftig, ob große Modelle auf eigene Faust Cyberangriffe fahren – kein Gedankenspiel, OpenAI und Anthropic mussten genau das in Testläufen einräumen. Noëlle Bölling schreibt dazu für t3n, Fragen und Antworten gibt es beim Spiegel.
Werbung erst auf den zweiten Blick wird teuer: Wie ernst es Aufsichtsbehörden mit Kennzeichnung meinen, zeigt ein Fall aus Stuttgart: Die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg hat gegen eine Beauty-Influencerin mit über 760.000 Follower:innen 36.000 Euro Bußgeld verhängt, mit Gebühren und Auslagen sind es 37.803,50 Euro. Es ging um bezahlte Kooperationen in Instagram-Storys zwischen Mai und Juli 2025 – teils ganz ohne Werbelabel, teils mit einem, das durch Schriftart und Farbe praktisch unsichtbar war. Zwischen 2020 und 2022 hatte die Behörde mehrfach auf die Regeln hingewiesen. Der Bescheid ist bestandskräftig, die Betroffene hat Insolvenz beantragt. Stefan Krempl berichtet für heise
Kritische Infrastruktur, offen wie ein Wasserhahn: Die US-Cyberbehörde Cisa warnt vor Angriffen auf die Steuerungstechnik von Wasser- und Abwasseranlagen – und rät dringend, die Systeme aus dem offenen Internet zu nehmen. Auslöser: Am 26. und 27. Juli traf es über 30 kommunale Wasserversorger in Minnesota, koordiniert und nicht als Zufallsfund. Das FBI meldet Vorfälle aus mindestens sieben Bundesstaaten. Die Angreifer:innen änderten Passwörter, sperrten Betreiber aus ihren eigenen Leitständen aus und trennten Geräte vom Netz; Folge waren Abkochgebote und langer Handbetrieb. Die Ermittler:innen halten laut New York Times Hacker:innen mit Iran-Verbindung für die wahrscheinlichen Urheber. Andreas Donath schreibt für golem
Ehrenamt trifft Compliance-Pflicht: Am 11. September wird der Cyber Resilience Act wirksam – und weil 96 Prozent der kommerziellen Software Open-Source-Komponenten enthalten, betrifft das auch Projekte, die von Freiwilligen gestemmt werden. Die Eclipse Foundation und OWASP bündeln deshalb ihre Hilfsangebote: Webinare, Round Tables und Handreichungen für Maintainer:innen, im Zentrum Software Bills of Material und Lieferkettensicherheit. Neue Frameworks soll es ausdrücklich nicht geben, stattdessen sollen bestehende verknüpft werden. „Die ersten CRA-Auflagen treten wenigen Wochen in Kraft", mahnt Eclipse-Chef Mike Milinkovich. Gute Idee – nur hätte man mit dem Fortbilden auch schon vor drei Jahren anfangen können. Wolf Hosbach berichtet für heise
959 Freund:innen gegen das Zermürben: In fünf Wochen wird in Sachsen-Anhalt gewählt, die als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD liegt in Umfragen bei über 40 Prozent – und nennt im Medienkapitel ihres Wahlprogramms ein konkretes Ziel beim Namen: dem freien Radiosender Corax aus Halle soll die Förderung gestrichen werden. Rund ein Drittel der Finanzierung des Bürger:innenradios kommt derzeit über die Landesmedienanstalt, 400 überwiegend ehrenamtliche Mitglieder machen 175 Sendungen, die Lizenz läuft bis 2035. Mit einer Förderkampagne will Corax bis zur Wahl auf 959 Freund:innen kommen – wie die eigene Frequenz 95.9. Geschäftsführungsmitglied Johanna Fischer im Interview: „Die AfD will, dass zivilgesellschaftliche Initiativen aufgeben, noch bevor etwas passiert." Timur Vorkul hat für netzpolitik.org mit ihr gesprochen. |