Uh-oh: ICQ ist zurück – der Datenschutz leider nicht Zwei Jahre nach dem finalen „Uh-oh" erweckt das Community-Projekt „ICQ Reborn" den Kult-Messenger wieder zum Leben: klassisches 2003er-Interface, frische UINs, Offline-Nachrichten und ein ordentlicher Schub Nostalgie. Der Haken: keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Nachrichten landen auf Servern weitgehend unbekannter Betreiber, und Sicherheitsforscher:innen raten von allem Vertraulichen ausdrücklich ab. Als Zeitreise ins entschleunigte Netz charmant – als Messenger 2026 eher nicht. t3n
700 Seiten, die im Sommer keiner lesen soll: Mitten in der Ferienzeit legt das Innenministerium einen knapp 700-seitigen Entwurf für neue Geheimdienstgesetze vor – von manchen als „Entfesselung" gefeiert, von netzpolitik.org deutlich kritischer gesehen. Zwischen den Zeilen: Datenkäufe in der rechtlichen Grauzone, Regeln für den Ausnahmezustand und laut Stellungnahmen ein „erheblicher Überwachungsdruck für die Gesellschaft". Anna Biselli, Daniel Leisegang und Ingo Dachwitz ackern sich im Podcast durch das Konvolut. netzpolitik.org
Leave him alone – niemand mag Palantir: In Europa läuft es zäh: Schweizer Armee, französischer Geheimdienst, Londons Bürgermeister und sogar die BaWü-Grünen sagen ab. Auch im Heimatland formiert sich Protest – die Kampagne „Purge Palantir" nimmt Peter Thiels Überwachungskonzern ins Visier, der die US-Abschiebebehörde ICE mit Software und Gesichtserkennung versorgt. Der Clou laut Aktivist:innen: Ist Palantir einmal im System, bekommt man es kaum wieder heraus. Constanze Kurz und Timur Vorkul sprechen für netzpolitik.org mit zweien der Aktiven.
Das Kartenhaus wackelt weiter: Der Europäische Datenschutzausschuss (EDPB) hat der EU-Kommission einen Brief geschickt: Sie möge genau prüfen, was das US-Supreme-Court-Urteil „Trump v. Slaughter" für das EU-US-Datentransferabkommen bedeutet. Denn seit die Richter die Unabhängigkeit der Aufsichtsbehörde FTC gekippt haben, fehlt dem Data Privacy Framework womöglich eine tragende Säule – ausgerechnet die Kontrollinstanz, die EU-Bürger:innen schützen soll. Für alle, die Daten in US-Clouds schieben, gilt: Exit-Strategie bereithalten. heise
Mit Strichmännchen zu mehr Sicherheit: Berlin will Straßen und Plätze künftig per KI-Verhaltensscanner überwachen – die Software legt ein Vektor-Strichmännchen über Passant:innen und schlägt Alarm, wenn jemand „ohne Anlass umhergeht" oder zu lange verweilt. Der CCC nennt das „teuren, aber gefährlichen Mumpitz" und reines Sicherheitstheater. Pikant: Das novellierte Polizeigesetz erlaubt, mit den Daten unbeteiligter Vorbeigehender gleich kommerzielle Überwachungssoftware zu trainieren. Wer anders ist, fällt schneller auf. golem
Super-GAU im Fürstentum: Unbekannte haben in der Nacht auf den 30. Juli rund 31.000 Datenkopien aus Liechtensteins „Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen" abgegriffen – dem Register, das eigentlich Geldwäsche und Terrorfinanzierung bekämpfen soll. Erbeutet wurden Namen und Angaben zu den Menschen hinter Firmen, Stiftungen und Treuhandschaften. Lösegeldforderung? Bisher keine. Darknet-Fund? Auch nicht. So wird ausgerechnet das Transparenzregister selbst zum Datenleck – zentral gesammelte Finanzgeheimnisse eben. spiegel
Eltern haften für die Feeds ihrer Kinder: Wer schon in der sechsten bis achten Klasse bei Insta, TikTok & Co. mitmischt, hinkt später im Schnitt ein halbes Schuljahr hinterher und bleibt häufiger sitzen – so eine Studie um Marco Gui (Uni Milano-Bicocca) mit 5.227 italienischen Schüler:innen in „Nature Human Behaviour". Einziges Fach ohne Einbruch: Englisch, dank der allgegenwärtigen englischen Feeds. Die Autor:innen sehen einen kausalen Zusammenhang, andere Fachleute zweifeln an der einfachen Rechnung. spiegel und t3n |