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Der Ticker kommt heute von Merle


Wenn die Welt schwankt und dreht 

Vielleicht ist es eine altersbedingte Erscheinung, aber zumindest mir geht es zunehmend so, dass die Welt um mich zu kippen droht. Nicht im übertragenen Sinne sondern im ganz realen Gefühl, dass der Boden wie ein Tablett sich dreht und alles zur Seite runterkippt. Medizinisch ist das ein diffuses Krankheitsbild, das neben ernsthaften, neurologischen Ursachen auch die trivialsten Gründe haben kann, die Nachrichtenlage trägt jedenfalls nicht dazu bei, alles zu balancieren, erlauben wir uns also einen schwindelerregenden Blick auf Kippmomente jeglicher Art.

Ethischer Positionsschwindel?
OpenAI kippt vorerst seinen “Erotik Mode” für ChatGPT– auf unbestimmte Zeit. Im Oktober noch groß angekündigt wurde der Launch nach heftiger Kritik mehrfach verschoben und nun gestoppt. Es ist damit das jüngste Sideprojekt, bei dem OpenAI die Axt anlegt und gesellt sich zum shopping chatbot Instant Checkout und Video-Generator Sora. Mit ethischen Beweggründen wird diese Entscheidung wenig zu tun haben, sondern mehr mit Business, Konkurrenzdruck durch Anthropic und Pentagonverträgen, Lucas Ropek schreibt für TechCrunch.

Rezidivierender Schwindel
Die Musikindustrie klagt wieder wegen Copyright-Verstößen. Nein wir sind nicht in die Zeitmaschine gehüpft und in 2001 rausgekommen, das Napster von 2026 heißt Anna’s Archive und es geht um satte 322 Millionen Dollar. Der Vorwurf: Das Schattenarchiv habe 86 Millionen Musikdateien von Spotify gescraped und 2,8 Millionen Songs per BitTorrent verbreitet. Antonia Frank rollt den Fall für Tarnkappe auf.

Systemischer Dauerschwindel
95-98 % aller Deep Fakes sind sexualisierter Natur, und 99% davon zeigen weiblich gelesene Personen (UN Women). Das ist kein neuer Hut, auch nicht, dass Deutschland eklatante Rechtslücken aufweist, um überhaupt strafrechtlich gegen Taten vorzugehen. Lisa Hegemann schreibt für die Zeit (€) über den Gesetzentwurf, die aktuellen Lücken zu schließen. Im Kontext dieser Gesetzesänderung – so wichtig und notwendig sie ist – wird aktuell allerdings auch ein politisches Lieblingsthema: die Vorratsdatenspeicherung relevant, umso wichtiger, sich hier nochmal mit alternativen Ansätzen zu beschäftigen, z.B. mit diesem Artikel von netzpolitik.

Schluss mit simuliertem Schwindel
Wikipedia zieht die Reißleine, KI-generierte Artikel sind ab sofort verboten im Deutschen wie Englischen. Zentrale Begründung der Entscheidung: von LLMs generierte Texte verstoßen zu oft gegen inhaltliche Richtlinien und sind schwer identifizierbar. Ausnahmeregelungen gibt es explizit für maschinelle Übersetzungen und Textbearbeitung. Frank Schräer berichtet für heise: Die Entscheidung folgt auf eine KI-Flut – bereits im August 2025 führte Wikipedia ein Schnelllöschungsverfahren für offensichtlich maschinell erstellte Beiträge ein. Jetzt geht man präventiv vor: Keine KI-Artikel mehr, Punkt. Die Ironie? Wikipedia-Inhalte werden massenhaft zum Training von LLMs genutzt – aber umgekehrt ist Schluss.

Befreiungsmanöver gegen gutartigen Lagerungsschwindel
Bluesky-Mitgründerin Jay Graber (jetzt CIO) startet Attie – einen KI-Assistenten, der Nutzer:innen zu Algorithmus-Designer:innen macht. Anders als Instagram, TikTok oder ChatGPT, die auf Bindung und Sycophancy (Schmeichelei) setzen, soll Attie bewusst die Kontrolle zurückgeben: Per Texteingabe können User eigene Feeds erstellen, künftig sogar Apps programmieren. Basierend auf Anthropics Claude und der offenen ATProto-Plattform, versteht Attie den Kontext der Nutzer:innen ohne Datenhunger und Aufmerksamkeitsbindung Noëlle Bölling schreibt für t3n. Graber sagt: "Wir wollen KI nutzen, um Dinge zu entwickeln, die den Menschen wirklich zugutekommen." Ob das Anti-Schwindel-Manöver funktioniert? Die private Beta läuft.


Sharepic mit Personen, die sich unterhalten. Text in lila Schrift vor weißem Hintergrund: Code of Conduct Demokratische KI. Jetzt unterzeichnen und Haltung für verantwortungsvolle KI-Nutzung in der Zivilgesellschaft zeigen!


Termine

  • 09.-09.04.2026, CorrelCompact | Diskriminierung durch KI: Wie kommt das und was können wir dagegen tun?, Online, 100% Frauen
  • 10.-12.04.2026, Cables of Resistance - Movements Conference gegen Big Tech, Berlin, Quote nicht ermittelbar
  • 13.-13.04.2026, Reclaim the Cloud! Contesting, Resisting and Reimagining Data Centers, Berlin, 40% Frauen
  • 17.-17.04.2026, Refugees-and-Ai, online, 60% Frauen
  • 20.-20.04.2026, D64-Frühjahrsempfang 2026 am 20. April in Berlin, Berlin, 100% Frauen
  • 21.04.2026, Weizenbaum Report 2026: Politische Partizipation in Deutschland, Berlin, 60% Frauen
  • 22.04.2026, Open Data Barcamp 2026, Hamburg, Quote nicht ermittelbar
  • 24.-24.04.2026, DFA-Kaffeepause #14: Digitale Gerechtigkeit & Code of Conduct Demokratische KI, Online, 100% Frauen
  • 29.04.2026, Unabhängig von Big Tech: So bauen wir unsere eigene Faktencheck-Infrastruktur, Online, 33% Frauen
  • 12.-12.05.2026, Zwischen Schutz, Technik und Freiheit: Die aktuelle europäische Diskussion um Altersverifikation und Social Media, online, 50% Frauen
  • 13.05.2026, Deep Dive: Umfragen richtig konzipieren und durchführen, Online, 67% Frauen
  • 27.-27.05.2026, Kreativ für den Algorithmus: Ein Dialog zwischen Literatur & Digitalität, Berlin, 100% Frauen

Hinweis: Wir haben die Quoten von Vortragenden der Veranstaltungen manuell gezählt. Basis dafür sind die von den Veranstaltenden veröffentlichten Programme oder Speakenden-Listen. Wir zählen pro Veranstaltung jeden Kopf genau einmal, also auch dann nur einmal, wenn dieselbe Person mehrfach spricht. Details dazu findet Ihr in unserer Event-Liste.


Sharepic Frühjahrsempfang 2026 Menschen mit Getränken in der Frühlingsonne


 

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Dieser Ticker wurde komplett ehrenamtlich von Merle erstellt und spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung des Vereins wider.

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