Wallet by Design: Die EUDI-Wallet soll Anfang 2027 EU-weit starten – und auf den letzten Metern hat die EU-Kommission die Schutzrechte ordentlich ausgedünnt. Das eIDAS Committee votierte mehrheitlich dafür, Passfotos (biometrische Gesichtsdaten) als verpflichtende Option in den Mindestdatensatz aufzunehmen. Frei wählbare Pseudonyme, wie die eIDAS-Verordnung sie eigentlich vorschreibt, schrumpfen auf eine bloße WebAuthn-Schnittstelle zusammen – technisch das Gegenteil des gesetzlichen Versprechens. Bürgerrechtsorganisation epicenter.works rät: Erstmal unabhängige Prüfungen abwarten, bevor man die Wallet nutzt, besonders wenn Tracking ein Problem sein könnte. Daniel Leisegang für netzpolitik.org
Palantir nein, Überwachungsstaat jein: Grüne in NRW und Baden-Württemberg sagen Palantir den Kampf an – die NRW-LDK votierte einstimmig für den Vertragsausstieg, in BW läuft eine Urabstimmung unter 26.000 Mitgliedern. Der blinde Fleck ist allerdings kaum zu übersehen: Die automatisierte Datenanalyse an sich stellt keine:r der führenden Grünen-Politiker:innen in Frage. Gefordert wird eine „europäische Alternative" – dasselbe Rasterfahndungs-Instrument, nur ohne Peter Thiel am Steuer. Constanze Kurz mit einem nüchternen Befund für netzpolitik.org
Brüssel schweigt: EU-Kommission bremst Informationsfreiheit trotz sinkender Anträge aus: 2021 rechtfertigte die EU-Kommission ihre chronischen Verzögerungen bei Dokumentenanfragen mit Überlastung – Rekordanträge. Die aktuellen Zahlen entkräften das Argument jetzt zuverlässig: 2025 gingen nur noch 6.434 Erstanträge ein, ein Achtjahrestief. Trotzdem kamen gerade mal 4.471 Bescheide raus – bei 8.280 Antworten im Spitzenjahr. Vollständigen Zugang gibts nur in knapp 28 % der Fälle, fast 23 % werden schlicht abgelehnt. Klagen vor EU-Gerichten nehmen derweil zu. Kontrolle by obscurity. heise
Five Eyes: KI-Cyberangriffe sind jetzt Chefsache: Die Cybersicherheitsbehörden von USA, UK, Australien, Kanada und Neuseeland haben eine seltene gemeinsame Erklärung veröffentlicht: KI verändere die Bedrohungslage so schnell, dass Risikoannahmen nun in Monaten statt Jahren veralten. Angreifer nutzen KI bereits aktiv; Verteidiger sollen nachziehen. Bemerkenswert ist, an wen sich der Appell richtet: Vorstände und Geschäftsleitungen, nicht IT-Abteilungen – Cybersicherheit sei Chefsache. Zeitlich fällt die Erklärung mit dem US-Exportverbot für Anthropics Modelle Mythos 5 und Fable 5 zusammen. Rein zufällig. heise
KI-Verbot by Design: Norwegen schützt Grundschüler:innen vor Chatbots: Norwegen macht Nägel mit Köpfen: KI-Tools sind ab dem Schuljahr 2026/27 bis zur siebten Klasse verboten. 13-Jährige dürfen unter Aufsicht ran, Oberschüler:innen sollen KI dann vollständig einsetzen – damit sie im Studium und Beruf damit umgehen können. Smartphones waren an norwegischen Schulen schon länger verboten; das Land kehrt außerdem verstärkt zu analogen Büchern zurück. Wie der Bann zu Hause kontrolliert werden soll, bleibt offen. Tobias Költzsch für golem
Grok goes bankrupt: KI-Agenten als CEOs, mit durchwachsenem Ergebnis: Princeton-Forscher haben verschiedene KI-Agenten als CEOs eines fiktiven Startups antreten lassen: 1 Million Dollar Startkapital, 500 simulierte Tage, eigenständige Entscheidungen in Marketing, Pricing und Produktentwicklung. Nur Claude Fable 5, Claude Opus 4.8 und GPT-5.5 konnten das Kapital vermehren. Trauriger Letzter: Grok 4.20 (xAI, Elon Musk) fuhr den Laden in unter 40 Tagen in die Insolvenz. Fazit der Studie: KI-Agenten eignen sich für kurzfristige Einzelaufgaben; kohärente Langzeitstrategie über Monate? Noch nicht so sehr. Eike Kühl für t3n
Seit dem iPhone sinkt die Geburtenrate: Eine neue Studie vom Middlebury College legt einen kausalen Zusammenhang zwischen der iPhone-Einführung 2007 und dem seitdem anhaltenden Rückgang der US-Geburtenrate nahe. Smartphones führen zu weniger Sozialkontakten, mehr Pornografiekonsum, weniger Geschlechtsverkehr und besserem Zugang zu Verhütungsinfo – je nach Methode erklären die Forscher ein Drittel bis über die Hälfte des Rückgangs damit. Bei Teenagern ist der Einbruch am stärksten: -70 % bei 15–19-Jährigen seit 2007. Eine Studie der Universität Cincinnati zeigt denselben Effekt für England und Wales. heise |