Signal-„Hack“ – Debatte entgleist: Eine koordinierte Phishing-Kampagne, hinter der die Bundesregierung Russland vermutet, hat offenbar über 300 Personen aus Politik, Wirtschaft und Medien erfasst – darunter Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Familienministerin Karin Prien und Bauministerin Verena Hubertz. Die Angreifer:innen gaben sich als „Signal-Support“ aus und brachten ihre Ziele dazu, Verifizierungscodes oder QR-Codes zu übermitteln – womit sie Zugriff auf Kontakte, Chatverläufe und laufende Gruppenkonversationen im parlamentarischen Umfeld erhielten. Signal selbst wurde dabei nicht gehackt; ausgenutzt wurde die klassische Schwachstelle Mensch.
Fragwürdig ist die politische Reaktion: Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz (CSU) forderte prompt ein Signal-Verbot zugunsten des „Bundes-Messengers“ Wire. Militärjournalist Thomas Wiegold brachte die Absurdität solcher Forderungen auf den Punkt: Das sei so sinnvoll, wie nach abgefangenen Briefen in den 1950ern die Schreibmaschine zum Problem zu erklären.
Signal gilt nach wie vor als eines der sichersten Kommunikationsmittel – gerade weil es Ende-zu-Ende-Verschlüsselung massentauglich macht. Die Antwort auf Phishing ist digitale Bildung und konsequente Aufklärung. netzpolitik.org, taz.de, taz.de |