Der D64-Ticker liefert den netzpolitischen Überblick. Täglich.
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Party, Party, #VDS, ja!

Der Europäische Gerichtshof hat die Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung gekippt. Was nun? Da das Thema sehr komplex ist und Innenpolitik oft mit Realitätsverzerrung einhergeht versuchen wir die verschiedenen Standpunkte und Emotionen zu beleuchten. Die Vorratsdatenspeicherung war dem D64 e.V. schon immer ein Dorn im Auge, deshalb freuen wir uns natürlich ganz besonders. Der heutige Newsticker fällt vielleicht nicht ganz so objektiv und thematisch divers aus wie sonst. :)

Reaktionen auf das Urteil von...

der Union: (traurig) Erstaunlicherweise ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für einige Politiker noch lange kein Grund das Thema Vorratsdatenspeicherung abzuschreiben. Einige Abgeordnete nutzten die Gelegenheit um ihr Bild vom Internet eindrucksvoll und kompetenzgeladen zu präsentieren . Die besonders in linken Kreisen sehr beliebte Erika Steinbach war immerhin so ehrlich ihre Unwissenheit zuzugeben bevor es cool war . Hipster-Erika (Informatikerin) hatte heute allerdings nichts als Witze zum Thema zu sagen.

der Bundesdatenschutzbeauftragten : (wechselhaft) Gestern vormittag war für sie klar: Die Vorratsdatenspeicherung ist noch nicht vom Tisch und im übrigen könne man ja nicht erwarten dass sie in den ersten drei Monaten ihrer fünfjährigen Amtszeit schon richtig arbeite. Ja, wirklich. In der heutigen Ausgabe der Berliner Zeitung zweifelt sie an der Sinnhaftigkeit einer nationalen Gesetzgebung zur Vorratsdatenspeicherung.

der Polizei: (am Boden zerstört) In der Spiegel Online Kuschelecke malt ein Staatsschützer ein dunkles Bild. Kurzum: Ohne VDS schwierigere Verbrechensbekämpfung, weniger Terrorismusprävention und offenbar auch weniger Argumente. Denn: Auf die Risiken wie Missbrauch oder illegale Beweisbeschaffung angesprochen erwiedert der Kriminalbeamte " Das ist ein Argument, das ich wirklich nicht mehr hören kann. " Immerhin hat er offenbar seinen Humor nicht zusammen mit der Vorratsdatenspeicherung verloren. spiegel.de

dem Justizminister: (gelassen) Bundesjustizminister Heiko Maas sieht keinen Grund zur Eile wenn es um Alternativen zur Vorratsdatenspeicherung geht.

den SPD Netzpolitiker*innen: (trollend) Der Koalitionsvertrag ist eindeutig: dort ist eine Umsetzung der EU-Richtlinie vereinbart. Keine Richtlinie, keine Vorratsdatenspeicherung.

den CSU Netzpolitiker*innen: (allein auf weiter Flur) Der netzpolitische Arbeitskreis der CSU gibt sich für bayerische Verhältnisse regelrecht linksautonom und begrüßt die Entscheidung.

den Grünen: Das Instrument der anlasslosen Massenüberwachung muss endgültig verschwinden, zusammen mit der paranoiagetriebenen Sicherheitspolitik.

der FDP: (endlich wieder in der Zeitung) Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau als eine der wenigen einen sehr spannenden Aspekt der Entscheidung an: Safe Harbour wird nach der Entscheidung nicht so weitergehen können wie bisher. Das ist eine Regelung, die es europäischen Unternehmen erlaubt Daten in den USA zu speichern, sofern die Partnerunternehmen ein Abkommen unterzeichnet haben. Chapeau!

Peter Schaar
"Auf einmal ist Deutschland das einzige Land, dessen nationales Recht den europarechtlichen Vorgaben genügt, weil es bei uns keine Vorratsdatenspeicherung gibt."

Peter Schaar, Bundesdatenschutzbeauftragter der Herzen bei heise.de

Webseitenbetreiber*innen aufgepasst:

Während die Vorratsdatenspeicherung gekippt wurde, spielten sich im Internet dramatische Szenen ab. Nicht weil in Anbetracht der plötzlichen aussicht auf persönliche Freiheit die Menschen spontan zu den Schwerverbrechern wurden für die die Law & Order Fraktion sie zu halten scheint, sondern weil mit Heartbleed eine der schwerwiegendsten Sicherheitslücken der letzten Jahre öffentlich wurde. Betreiber*innen von Webseiten oder anderen Diensten die via OpenSSL verschlüsselt kommunizieren sollten ihre Dienste testen, ggf. die Software updaten, neue Schlüssel generieren und die alten zurückziehen. Wie groß der Einschlagkrater ist, sieht man an den Testergebnissen der Alexa Top 1000. Anleitungen zum Testen von Webseiten und zur Nutzung der Lücke gibt es schon im Netz, also höchste Zeit tätig zu werden. Für die ganz furchtlosen Techies gibt es den Ansatz einer Erklärung wie soetwas passieren konnte - ironischerweise hinter einer Sicherheitswarnung.


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