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Sozialrabatte in China:
Von dem chinesischen Sozialpunkte-System hat man schon gehört: Wird aktuell in einigen Regionen getestet, könnte ab 2020 dazu führen, dass jeder chinesische Bürger mit einem Rating beglückt wird ("AAA" für Musterbürger, "D" für "Nichtsnutz"). Interessant ist, dass Kernelemente davon bereits landesweit von Konzernen getestet werden. So zum Beispiel bei Alibaba mit dem System "Sesame Credit": Hier werden Punkte - letztendlich Rabatte - für "verantwortungsbewusste" Einkäufe vergeben: Also Pluspunkte für Biogemüse und Babynahrung, Minuspunkte für Porno, Computerspiele und so nen Schweinkram. Und wer Freunde mit vielen Punkten hat, profitiert nochmal.
golem
Aufmerksamkeitsrabatte bei uns:
Im Land der Schnäppchenjäger könnte amazon mit seiner neuesten Idee (die sie sich gleich mal haben patentieren lassen) großen Erfolg haben. "Einfach ausgedrückt: Wenn wir ein Produktvideo auf einer Artikelseite anschauen, wird uns die dafür aufgewendete Zeit als Rabatt angerechnet." Oder umgekehrt: wer sich das Video nicht anschaut, zahlt mehr.
Gruseliger wird es, wenn man schonmal weiterdenkt, was amazon so machen könnte um wirklich ganz, ganz sicher zu sein, dass die Werbebotschaft ankommt. Dem Autor kam dabeil Apples Face-ID in den Sinn, denn: "Der Infrarotscanner eines iPhone X weiß genau, ob der Nutzer gerade auf den Bildschirm schaut oder in eine ganz andere Richtung."
giga
Ich weiß, was gut für dich ist:
Nudging, oder auch "motivierende Steuerung von Individuen", ist das große Ding. Jedenfalls denkt das die Wissenschaftsakademie, die Richard Thaler unter anderem für seine Ideen dazu dieses Jahr mit dem Wirtschaftsnobelpreis auszeichnete. Welche Gefahren dieser mittlerweile auch hierzulande beliebte "liberale Paternalismus" (Cass Sunstein) für eine selbstbestimmte digitale Zivilgesellschaft birgt, und was das ganze mit unserer Debattenkultur zu tun hat, kann man hier nachlesen.
bpb
"Und ich schlafe in der Dusche, weil die Dusche zu mir hält"
: Ein politisch-philosophischer Blick auf Infrastruktur als politisches Werkzeug: von der Pax Romana bis zur nun anstehenden Pax Technica, die uns ein "government of the things, by the things, for the things" bescheren könnte. Und ein ernsthafter Appell, die aktuell noch vorhandenen Möglichkeiten zur Weichenstellung zu nutzen, und sich intensiv mit den Feinheiten und Details des Themas auseinanderzusetzen - diese sind zwar nicht sehr sexy, haben für unsere Zukunft aber eventuell größere Bedeutung als Donald Trump oder der Brexit.
financial times
Keine Panik, ihr müsst euch nur ändern:
In einer unveröffentlichten Studie für die Bertelsmann-Stiftung argumentieren zwei Forscher aus Maastricht, dass die Digitalisierung doch nicht so schlimm wird für den Arbeitsmarkt: sie soll im Gegenteil dem Großteil der Arbeiterschaft helfen - indem sie zu mehr Innovationen und Wachstum führt. Allerdings nur, wenn wir ein paar "Anpassungen" vornehmen und uns von unserem Spezialistentum verabschieden.
sueddeutsche
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