Dank Facebooks Datenproblem wird netzpolitisch ja gerade mal wieder alles heillos zusammengeworfen, wo gibt. Kann das alles in einem Ticker auseinanderklamüsert werden? Vermutlich nicht. Aber einen Versuch soll es wert sein.
Noch einmal kurz zusammengefasst: Was Facebook alles angestellt hat
Facebook erklärt selbst, dass bis 2014 App-Hersteller von ihren Nutzern nicht nur deren Daten anfragen konnten, sondern auch von deren Freunde. Die so gesammelten Daten gelangten dann 2015 vom App-Hersteller zu Cambridge Analytica. Facebook reichte es damals, sich die schriftliche Bestätigung zu holen, dass die Daten gelöscht sind – nicht aber die Nutzer über diesen "Erfolg" zu informieren. Inwiefern die ganze Geschichte in den einzelnen Ländern gegen welche Gesetze verstoßen hat, ist noch nicht so richtig klar, jedenfalls wurde seitens Facebook bislang nur ein Vertrauensbruch zugegeben
facebook.com
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theguardian.com
Cambridge Analytica – scheinbar ein richtig übler Laden
Die ganze Diskussion wird natürlich besonders hitzig, weil Cambridge Analytica nicht nur der Brexit und die Trump-Wahl in die Schuhe geschoben wird. Dieser Tage kamen auch deren politischen Methoden ans Licht - scheinbar hat das Unternehmen besondere Erfahrung darin, wie Politiker kompromittiert werden können.
Channel 4
Datenbasierte Geschäftsmodelle – ja oder nein?
Wenn von den abgeflossenen Nutzerdaten selbst ein wenig abstrahiert wird, geht es dann schnell darum, inwiefern Geschäftsmodelle, die zielgruppenspezifische Werbung auf Basis erhobener Nutzerdaten ermöglichen in Ordnung sind oder nicht. Und als nächstes, ob es einen Unterschied macht, ob ich diese Werbung für einen Schokoriegel oder für Angela Merkel mache. Oder anders: "Wie" zielgruppenspezifisch darf (politische) Werbung sein, damit sich niemand manipuliert fühlt und nicht von Missbrauch gesprochen wird? Was schwierig daran ist: Wer die Uhren nicht komplett auf analoge Zeiten zurückstellen möchte, merkt schnell, dass diese Fragen kaum über den Datenschutz beantwortet werden können.
sueddeutsche.de
Und wenn wir gerade schon bei Facebook sind…
…werden von vielen Kommentatoren natürlich gleich noch die anderen Vorwürfe rund um Echokammern und Online-Radikalisierung mit abgeräumt. Bedauerlich ist dabei aber, dass es scheinbar nach wie vor kaum wissenschaftliche Erkenntnisse über die Wirkung von Social Media Kampagnen und ihrer angenommenen polarisierenden Wirkung mit Tendenz zur Echokammer gibt. Tatsächlich ist es wohl sogar äußerst verkürzt davon auszugehen, dass Fake News und radikale Posts Wähler von ihren bestehenden politischen Ansichten abbringen. Wer sich nicht von dieser Vorstellung abbringen lassen möchte, sollte keinesfalls sich
deutschlandfunkkultur.de
anhören oder sich zum Thema Echokammern bei
ccc.de
informieren.
Am Sonntag gabs Nachschlag
Um die Diskussion doch noch ein wenig weiter zu befeuern, wurde gestern berichtet, dass Facebook auch jahrelang Anrufmetadaten von Android-Nutzern sammelte. Wer die App in den vergangenen Jahren installiert hat und ihr die Rechte gab, auf SMS-Logdateien sowie auf die Logs von Telefonaten zuzugreifen, der findet diese Daten offenbar später auch in seinen Facebook-Daten. Jetzt muss noch jemand mal nachlesen, ob das über die Nutzungsbedingungen abgedeckt war.
Golem
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Ars Technica