Zum Glück erkennt auch die Politik, dass künstliche Intelligenz nur zum gesellschaftlichen Fortschritt beitragen kann, wenn bestimmte ethische Leitplanken existieren. Emmanuel Macron kündigte im Frühjahr eine große KI-Initiative an und Überlegungen sind ein
Schlüsselthema der französischen KI-Strategie
und jetzt im Dezember veröffentlichte die EU Kommission den ersten Entwurf der
Ethikrichtlinien für künstliche Intelligenz
. Das neue Jahr wird in diesem Feld neue Orientierung bringen. Nicht, weil künstliche Intelligenz noch mehr in Mode gerät, sondern weil immer mehr Menschen feststellen, dass wir seit geraumer Zeit auf einer Reise mit ungewisser Orientierung sind.
Digitaler Kapitalismus: When will the shit hit the fan?
- von
@akaer
Timo Daums vielbeachtetes
Buch "Das Kapital sind wir"
(zuletzt von der Friedrich Ebert Stiftung zum politischen Buch des Jahres 2018 erklärt) hat die Diskussion über das Thema digitale Ökonomie auf eine neue Ebene gehoben: Seine provokanten Aussagen, dass die Digitalwirtschaft im Grunde planlos sei und dass Daten öffentlich reguliert gehören, wurden vielfach aufgegriffen. Einen interessanten Beitrag zur Debatte gab es unter anderem von Michael Seemann, der im
Deutschlandfunk
darüber sinnierte, wie der Digitalkapitalismus von der Verknappung immaterieller Güter lebt. Zur
Durchmischung von Finanzkapitalismus und technologischem Kapitalismus
und dazu, warum der werbefinanzierte Digitalkapitalismus eine Illusion ist, für die wir am Ende alle zahlen werden, hat Evgeny Morozov bereits im November 2017 viel Schlaues gesagt. Unter anderem, dass wir dringend eine breitere (auch historische) Perspektive und Analyse brauchen, um den Digitalkapitalismus wirklich zu verstehen und (vielleicht) positiv zu gestalten. Dass sich mit dieser größeren Frage die
Sozialforschung
, Medienforschung oder politikwissenschaftliche Blätter beschäftigen, die Wirtschaftswissenschaften aber eher auf Datenmärkten herumreiten, ist bedenklich.
Eigentlich sollte ich Facebook verlassen
- von
@plmarten
Eine alte Medienweisheit lautet: There is no such thing as bad publicity. Facebook hat in diesem Jahr das Gegenteil bewiesen. Kaum zu glauben, dass der Cambridge Analytica-Skandal erst im März 2018 öffentlich wurde (
New York Times
). Zwar entschuldigte sich Mark Zuckerberg pflichtbewusst in den USA (
Heise
) und vor dem EU-Parlament (
Zeit Online
), klare Antworten gab er jedoch nicht. Diese lieferten andere: Nicht nur gab es zahlreiche weitere Datenskandale und -lecks unter anderem im Juni (
NY Times
&
Heise
), September (
Netzpolitik.org
), Oktober (
Heise
) und Dezember (
Spiegel Online
&
NY Times
). Der
UN Menschenrechtsrat
gibt Facebook zudem eine Mitschuld an den Gewaltexzessen gegen Rohingya-Minderheiten in Myanmar (März).
Techcrunch
berichtete, wie Zuckerberg heimlich private Nachrichten löschen ließ (April). Apple verlangt laut
Cnet
die Zurücknahme der "Sicherheits-App" Onavo vom AppStore (August). Der WhatsApp-Gründer Brian Acton erklärt in einem Interview mit
Forbes
, dass Facebook ihn dafür trainierte gegenüber der Europäischen Kommission die Möglichkeit einer Datensymbiose runterzuspielen (September). Um all dem entgegen zu treten, sollte eine PR-Firma Facebook-Kritiker in Misskredit bringen. Laut
Deutscher Welle
wusste Zuckerberg davon angeblich nichts (November). Außerdem sollten Fact-Checker helfen. Diese wurden laut
Guardian
jedoch nicht wirklich Ernst genommen. Und richtig erfoglreich waren sie laut
Buzzfeed
ebenso wenig (Dezember). In Summe: Facebook nimmt offensichtlich seine Verantwortung nicht wahr. Leider erfüllt das Netzwerk immer noch eine zentrale Funktion: Mit seinen Freunden in Kontakt bleiben. Da macht es keinen Unterschied, ob ich zu Instagram oder WhatsApp gehe - der Megakonzern sammelt die Daten auch dort. Deshalb braucht es tatsächlich mehr Regulierung. Und eine konsequente Durchsetzung der DSGVO-Richtlinien.
DSGVO: Rien ne va plus – Nichts geht mehr
- von
@schoemi
Das war bei vielen die Gemütslage vor dem Inkrafttreten der
Europäischen Datenschutz-Grundverordnung
. Alles schien unfassbar kompliziert zu werden und manch einer wähnte sich schon mit einem sprichwörtlichen Bein im Deutschen Justizvollzug. Andere wiederum witterten das ganz große Geschäft, nämlich das mit der Angst. Also das, was sowieso immer funktioniert. Das lag unter anderem auch daran, dass die Einführung der DSGVO ein Paradebeispiel für das
Parkinsonsche Gesetz zur Dauer der Arbeit
war.
Dabei hatten viele versucht Alles richtig zu machen. Es mangelte eigentlich kaum an grundlegender Information, in vielen Bereichen aber auch an konkreten Empfehlungen und Risikobewertungen. Zum Glück ist die
prophezeite Abmahnwelle ausgeblieben
, gestritten wird allerdings gerade intensiv
wer wen überhaupt weswegen abmahnen
darf. Viele Fragen sind auch nach dem 25. Mai
offen geblieben.
Nach einem guten halben Jahr ist die
Zahl der gemeldeten Datenschutzverstöße
allerdings auch deutlich gestiegen. Über 45.000 Beschwerden wurden gemeldet, ein Drittel davon aus Deutschland. Daneben gab es über 19.000 Selbstmeldungen. Interessant ist auch, dass noch im Oktober
44% der deutschen Unternehmen
noch offene Baustellen haben.