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Der Ticker kommt heute von @plmarten

Heute mit doppelt so viel Hiebe

Wenn du die Woche mit so richtig schlechter Laune beenden möchtest, dann lies am besten nur den ersten Teil dieses Tickers. Wenn du darauf keinen Bock hast, fang am besten erst beim zweiten Teil an. Und wenn du jetzt noch unentschlossen bist, dann riskiere einfach beide Teile hintereinander - die Reihenfolge bleibt dir freigestellt.

44 Milliarden Euro Umsatz. Und jetzt Steuern zahlen? 🤔
Noch im vergangenen Sommer rühmte sich Amazon damit, in Deutschland 261 Millionen Euro Steuern bezahlt zu haben (und rechnete dabei die Einkommenssteuer und Sozialabgaben ihrer Angestellten sowie Abgaben einfach mal in diese Gesamtsumme mit ein). Nun meldete der Guardian , dass der Liefergigant trotz eines Umsatzes von 44 Milliarden Euro (sic!) in Europa einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro verzeichnete! Rechtlich alles ganz sauber, denn die Tricks der Großkonzerne mit überteuerten Rechnungsstellungen von Schwesterfirmen sind hinlänglich bekannt - und bislang vollkommen legal. Deshalb fordert t3n dieser moralisch fragwürdigen Praxis durch bessere Gesetzgebung einen Riegel vorzuschieben.

Milliarden Verluste in Europa. Muss man jetzt sparen? 🤔
Ungefähr zur gleichen Zeit verkündete Jeff Bezos, dass er Aktien seines Unternehmens im Wert von knapp 2 Milliarden Dollar verkauft habe ( Spiegel ). Ich mein: YOLO. Das Geld fließt jetzt in sein privates Raumfahrtprogramm - und nicht in sein Unternehmen oder seine Mitarbeiter:innen.

Cash gemacht ohne Ende. Sollten davon Mitarbeitende profitieren? 🤔
Die Beschäftigen dieses besagten Online-Shopping-Logistik-Megakonzerns streikten derweil diese Woche an mehreren Standorten in Deutschland gegen Tarifflucht und Niedriglöhne sowie für bessere Arbeitsbedingungen. Der WDR berichtete vom Standort Werne und informierte, warum sich der Standort Dortmund bspw. nicht am Streik beteiligte (Spoiler: befristete Beschäftigungen). Netzpolitik.org fasst nochmal die Forderungen zusammen.

Okay, keine Kohle. Kann ich wenigstens malochen wie ich will? 🤔
Obwohl sie meist bei Sub-Unternehmen angestellt sind oder auch mal als freischaffende Soloselbstständige ihr Glück versuchen, regelt der nach einem Fluss in Lateinamerika benannte Riesenkonzern auch das Erscheinungsbild und die Körperhygiene seiner Fahrer:innen. Golem berichtet von amerikanischen Richtlinien, die wahrscheinlich auch in Deutschland angewendet werden. Das stinkt doch alles zum Himmel (obwohl das ja eigentlich nicht erlaubt ist)!
Als "Disaster Girl" wurde dieses Bild ein virales Meme. Nun verkaufte die darauf porträtierte Zoë Roth das Original als NFT - für 473.000 Dollar  ( BBC )
Jetzt reicht es aber auch mit dieser Amazon-Lobhudelei, nun kommen noch andere Nachrichten:

NetzDG-Reform: Systematische Analysen & Einspruchsrechte
Facebook, YouTube & Co. müssen nach einer Reform des NetzDG künftig überprüfen, ob rechtswidrige Inhalte "bestimmte Nutzerkreise" besonders betreffen. Damit sollen systematische Analysen zu etwaigen Netzwerken von Hasskriminalität erleichtert werden. Beschwerden von Nutzer:innenn werden zudem einfacher, wenn sie ihre Inhalte zu Unrecht blockiert oder gelöscht sehen. Mehr bei Heise .

Microsoft goes Europe
Microsoft will endlich geltendes Recht einhalten und zukünftig Kund:innen eine Infrastruktur anbieten, die das Speichern und Verarbeiten von Daten ausschließlich in den EU-Grenzen behält. Golem fasst die Pläne (mit einem klasse Bild) zusammen. Erste Bedenken zum Datenschutz gibt es dennoch: "Da Rechtsvorschriften der USA US-amerikanische Unternehmen auch dazu verpflichten, außerhalb der USA verarbeitete Daten auf Anforderung herauszugeben, sind damit keineswegs alle Transferprobleme gelöst" , sagte Baden-Württembergs Datenschutzbeauftragte Stefan Brink dem Handesblatt .

Mediensucht muss auf den Lehrplan
Laut der Studie Kinderreport 2021 der Deutschen Kinderhilfswerks sprechen sich 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen sowie 95 Prozent der Erwachsenen dafür aus, dass Thema Mediensucht in der Schule zu behandeln. Der Präsident des Hilfswerks fordert laut Zeit Online professionelle Beratung. Bei solchen Meldungen bin ich immer hin- und hergerissen: Wie soll ich denn mit meinen Kindern noch richtig streiten, wenn ich ihnen nicht mal mehr ihr Smartphone verbieten darf?

Smart-Supermarkt made in Kölle
Dieser eine Konzern aus Seattle (der in diesem Abschnitt nicht mehr genannt werden darf) ist sich schon sicher, dass es zukünftig mehr und mehr Supermärkte ohne Kasse geben wird. Nun möchte auch Rewe so ein System testen - und zwar in der schönen Domstadt am Rhein. Heise fasst die Pläne zusammen (Smartphone-App, Sensoren, Kameras, Server, Switches, Kabel, Prozesse, etc.)

Brainpower
Und zum Schluss noch ein schöner Gastbeitrag im Tagesspiegel , der Facebooks Entscheidung, Donald Trump weiterhin zu sperren, zum Anlass für ein Pladoyer nimmt: Nicht nur die Sender:innen von Fake News und Manipulationsversuchen sind ein Problem, sondern auch die Empfänger:innen. Wir brauchen mehr IT-Sicherheit für Gehirne.
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Hinweis : Wir haben die Quoten von Vortragenden der Veranstaltungen manuell gezählt. Basis dafür sind die von den Veranstaltenden veröffentlichten Programme oder Speakenden-Listen. Wir zählen pro Veranstaltung jeden Kopf genau einmal, also auch dann nur einmal, wenn dieselbe Person mehrfach spricht. Details dazu findet Ihr in diesem Spreadsheet .
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